FAQ's zum Themenbereich Kinder-Reha

Thema: Reha-Wagen für Kinder

  1. Warum sollte mein behindertes Kind anstatt eines normalen Kinderwagens einen Kinder-Rehawagen haben?

  2. Ab welchem Alter ist ein Reha-Wagen für mein Kind sinnvoll?

  3. Was unterscheidet einen Kinder-Rehawagen von einem normalen Kinderwagen?

  4. Kann ich mein Kind in den Reha-Wagen "hineinwachsen" lassen?

  5. Welche Maße des Kindes sind für die Auswahl des Reha-Wagens wichtig?

  6. Was sind Schwenkräder?

  7. Warum brauche ich für den Reha-Wagen Zubehör?

1. Warum sollte ein behindertes Kind anstatt eines normalen Kinderwagens einen Reha-Wagen haben?

Der Reha-Wagen soll dem entwicklungsverzögerten oder entwicklungsgestörten Kind und seiner Familie Mobilität ermöglichen. Er soll das Kind, das (noch) nicht eigenständig sitzen kann, im Sitz unterstützen und ihm somit die Möglichkeit geben, neue Perspektiven zu erfahren und neue Fähigkeiten auszubilden. Gleichzeitig muß der Reha-Wagen den speziellen Problemen der Kinder Rechnung tragen. Kann ein Kind nicht eigenständig sitzen, dann muß der Reha-Wagen die für den stabilen Sitz benötigte Unterstützung leisten. s
Die vielfältigen Einstellmöglichkeiten des Reha-Wagens sollen die Korrektur pathologischerPathologisch:
krankhaft; verändert (DUDEN Das Fremdwörterbuch, 1997)
Haltungs-und Bewegungsmuster beim Kind ermöglichen. Durch die individuell auf das Kind abgestimmte Ausstattung des Reha-Wagens können Empfehlungen und Richtlinien des betreuenden Therapeuten auch außerhalb der Therapie fortgesetzt werden.

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2. Ab welchem Alter ist ein Reha-Wagen für mein Kind sinnvoll?

Die Frage ab welchem Zeitpunkt die Nutzung eines Reha-Wagens einsetzen sollte, lässt sich nicht an einem bestimmten Alter festmachen. Es gilt festzuhalten, daß der Reha-Wagen einem normalen Kinderwagen in Funktion und Möglichkeit deutlich überlegen ist. Für Kinder mit Entwicklungsstörungen oder -problemem sollte somit ein möglichst frühzeitiger Wechsel zu einem Reha-Wagen angestrebt werden. Spätestens wenn das Kind seinem normalen Kinderwagen entwachsen ist und ein normaler Kinderbuggy die Transportsicherheit des Kindes nicht gewährlesten kann, sollte der Wechsel zum Reha-Wagen vollzogen werden. 
Es können jedoch einige Punkte benannt werden, die einen frühzeitigeren Wechsel zum Reha-Wagen nahelegen: Das Kind benötigt Unterstützung in seinen Funktionen oder bei seiner Lagerung. Diese Unterstützung kann durch spezielle Funktionen des Reha-Wagens ermöglicht werden. So ermöglicht die Anpassung an die kindlichen Körpermaße in Sitztiefe, Sitzbreite, Rückenhöhe und Unterschenkellänge eine größtmögliche Unterstützung bei der Einnahme der stabilen Sitzposition. Die Sitzposition ist wiederum eine Ausgangsstellung mit hohem kommunikativen und integrativen Wert; sie ermöglicht dem Kind neue Perspektiven und neue Erfahrungen. 
Die Unterstützung durch den Reha-Wagen kann auch in Form von besonderen Zubehörteilen wie speziellen Gurt- und Halterungssystemen, oder Führungs- und Stützungssysteme (Pelotten, Kopfstützen u.ä.) ermöglicht werden, die nur in das Sitzsystem eines Reha-Wagens integriert werden können.

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3. Was unterscheidet einen Reha-Wagen von einem normalen Kinderwagen

Ein Reha-Wagen muß den Bedürfnissen und Anforderungen von Kindern mit unterschiedlichsten Behinderungsformen gerecht werden. Der Reha-Wagen unterscheidet sich daher in seinen Funktionen und teilweise auch in der Optik von einem normalen Kinderwagen. Die mitwachsende Sitztiefe und Rückenhöhe, die stabile Seitenführung und das verstellbare Fußbrett sollen während der gesamten Nutzungsdauer des Reha-Wagens Passgenauigkeit und damit funktionale Unterstützung beim Sitzen garantieren. Das stabile und hohe Rückenteil der Sitzeinheit muß unterschiedlichsten Belastungen, wie plötzlich einschießenden, heftigen SpastikenSpastik:
Vermehrung des Muskeltonus, z.B. bei Lähmung inf. Schädigung des 1. motorischen Neurons
(Pschyrembel, 1990)
u.ä., standhalten können. 
Die gesamte Sitzeinheit des Reha-Wagens muß im Raum kantelbar sein. Beim Kanteln wird die Sitzeinheit, ohne Veränderungen im Hüft- und/oder Kniewinkel durchzuführen, in eine aktive oder passive Stellung gebracht. Dies ist besonders für Kinder wichtig, deren Spastiken bei Hüft- und Kniebeugungen im 90° Winkel gehemmt werden können. Bei der Verstellung in den passiven Bereich wird die Sitzeinheit nach hinten gekippt; die Sitzfläche ist nunmehr von vorn nach hinten abschüssig. So kann der Auflagedruck der Oberschenkel und des Gesäßes verändert werden und das Kind in einer Ruheposition und unter Abnahme der Schwere Entlastung finden. Bei der Verstellung in den aktiven Bereich wird die Sitzeinheit nach vorne abgesenkt; die Sitzfläche ist nunmehr von hinten nach vorne abschüssig und kann dem Kind die Aufrichtung im Sitz erleichtern.

Die Sitzeinheit des Reha-Wagens muß auf dem Untergestell umsetzbar sein und je nach Bedarf mit oder gegen die Fahrtrichtung positioniert werden können. Wegen der unterschiedlichen Behinderungsformen und Behinderungdausmaße der Kinder ist es ferner wichtig unterschiedlichste Gurt- und Zubehörsysteme in den Reha-Wagen integrieren zu können. Unabhängig von diesen sehr spezifischen Anforderungen, muß ein Reha-Wagen natürlich einfach und schnell zusammenzufalten sein, über ein gutes Fahrverhalten verfügen, eine gute Polsterung besitzen und ein akzeptables Gewicht haben.

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4. Kann ich mein Kind in den Reha-Wagen "hineinwachsen" lassen?

Ein Reha-Wagen ist in seinen Maßen den kindlichen Maßen anpassbar und ermöglicht somit eine funktionale Unterstützung des Kindes. Um dem Wachstum des Kindes gerecht zu werden besitzen Reha-Wagen die Fähigkeit mitzuwachsen. Sitztiefe, Sitzbreite, Unterschenkellänge und Rückenhöhe des Reha-Wagens haben einen Wachstumspielraum innerhalb dem der Reha-Wagen den sich verändernden kindlichen Maßen angepaßt werden kann. Zusätzlich bieten die Hersteller einzelne Reha-Wagenmodelle häufig in unterschiedlichen Größen an. 
Der Wachstumsspielraum der Reha-Wagen ist den Herstellerangaben zu entnehmen und bei der Anschaffung eines Wagens mit den aktuellen kindlichen Maßen zu vergleichen. Überschreitet ein Kind in seinen Maßen die größtmögliche Einstellung des Reha-Wagens, kann die therapeutische Unterstützung durch den Wagen nicht mehr gewährleistet werden; die Nutzungsspanne des Reha-Wagens ist überschritten und der Wechsel auf ein größeres Modell sollte stattfinden. Unterschreitet ein Kind in seinen Maßen die kleinstmögliche Einstellung des Reha-Wagens, so ist die therapeutische Unterstützung durch den Reha-Wagen (noch) nicht gewährleistet und eine kleinere Größe des Reha-Wagens sollte bevorzugt werden.

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5. Welche Maße des Kindes sind für die Auswahl des Reha-Wagens wichtig

Der Reha-Wagen soll das entwicklungsgestörte Kind, das noch nicht eigenständig sitzen kann im Sitz unterstützen. Beim eigenständigen Sitz kommt der aufrechten Haltung des Beckens eine Schlüsselposition zu. Daneben sind folgende Maße, die beim sitzenden Kind erhoben werden müssen, für die Stabilität des Sitzes wichtig.

Die Sitzbreite bezeichnet die maximale horizontale Distanz der Außenseiten der Hüften voneinander. Muß das Kind mit abduzierten, also abgespreizten Oberschenkeln sitzen, so ist zu bedenken, daß die Sitzbreite im vorderen Bereich größer sein kann als im eigentlichen Bereich der Hüfte.

Die Rückenhöhe bezeichnet die vertikale Distanz von der Sitzfläche bis zur Oberkante der Schulter.
Die Sitzhöhe bezeichnet die vertikale Distanz von der Sitzfläche bis zum höchsten Punkt des Kopfes.

Die Sitztiefe ist die Unterstützungsfläche der Oberschenkel. Sie bezeichnet die horizontale Distanz von der Kniekehle des Kindes bis zu dem am weitesten nach hinten vorstehenden Teil der Weichteile des Gesäßes.

Die Unterschenkellänge bezeichnet die vertikale Distanz von der Aufsetzfläche der Fußsohle bis zur Unterkante des gegen den Unterschenkel rechtwinklig gehaltenen Oberschenkels unmittelbar hinter dem Knie. Schuhe können das Unterschenkelmaß in geringem Umfang verändern. Beim Tragen anderer Schuhmodelle kann somit ggf. eine leichte Nachkorrektur der Unterschenkellängeneinstellung am Reha-Wagen nötig werden .

Sitztiefe, Sitzbreite und Unterschenkellänge des Reha-Wagens werden den erhobenen kindlichen Körpermaßen entsprechend eingestellt. Die am Reha-Wagen einzustellende Höhe der Rückenlehne ist vom Bedarf des Kindes abhängig. Ein aktives Kind mit guter Kopf- und Schultergürtelkontrolle benötigt hier weniger Unterstützungsfläche als ein instabiles Kind.

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6. Was sind Schwenkräder?

Reha-Wagen sind mit unterschiedlicher Bereifung erhältlich. Man unterscheidet luftbereifte Räder und Vollgummiräder; starre Räder und schwenkbare Vorderräder. Die schwenkbaren Vorderräder sind kleiner als starre Räder und können feststellbar oder auch nicht-feststellbar sein. Für die Wahl der optimalen Bereifung sollte folgendes Kriterium berücksichtigt werden: die Umgebung, in der der Reha-Wagen primär genutzt wird. 
Schwenkbare Vorderräder verleihen dem Reha-Wagen Wendigkeit und Flexibilität; sie eignen sich besonders für Strecken auf befestigten Wegen wie in Einkaufspassagen oder in der Stadt. Können die schwenkbaren Vorderräder bei Bedarf arretiert werden, so ist auch das Kopfsteinpflaster der Altstadt ohne große Probleme zu bewältigen. Auch die Konstitution der schiebenden Person und das Gewicht des zu schiebenden Kindes sollten bei der Wahl der Räder berücksichtigt werden. Schwenkbare Vorderräder ermöglichen es auch einer eher zarten und kleinen Person große und schwerere Kinder ohne allzu großen Kraftaufwand schieben zu können. Ein weiterer Vorteil ist, daß diese Räder beim Falten des Reha-Wagens nur wenig Platz beanspruchen. Einschränkend ist jedoch anzufügen, daß ein Reha-Wagen mit Schwenkrädern einem seitlichen Gefälle leichter nachgibt. Bei der Nutzung auf seitlich abschüssigen oder unebenen Wegen muß die Fahrtrichtung des Reha-Wagens somit permanent gegenkorrigiert werden; der Reha-Wagen ist dadurch unhandlicher und schwerer zu halten.

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7.Warum brauche ich für den Reha-Wagen Zubehör?

Zu dem für Reha-Wagen erhältlichen Zubehör zählen spezielle Gurt- und Halterungssysteme sowie Führungs- und Stützsysteme, die in die Sitzeinheit eines Reha-Wagens integriert werden können. Sie sollen das Kind bei der Einnahme einer stabilen Sitzposition unterstützen und/oder korrigieren. Gurt- und Halterungssysteme dienen zusätzlich der Sicherheit während des Transportes, denn auch bei holprigen Fahrten verhindern sie das Herausfallen des Kindes aus dem Reha-Wagen.

Das Zubehör muß nach den individuellen Bedürfnissen des Kindes ausgewählt und seinen Maßen entsprechend angebracht werden. Damit dies geschehen kann, werden bereits bei der Fertigung des Reha-Wagens zahlreiche Befestigungssmöglichkeiten an der Sitzeinheit in unterschiedlicher Höhe und Breite vorgefertigt.

Die Auswahl des benötigten Zubehörs findet in enger Zusammenarbeit mit dem betreuenden Therapeuten statt. Umfang und Einsatz des Zubehörs hängen im wesentlichen davon ab wo, wie und wann das Kind unterstützt werden muß. Getreu dem Motto ‚soviel wie nötig, sowenig wie möglich‘ sind hierbei die Eigenfunktionen des Kindes unbedingt zu berücksichtigen. Wichtig bei der Wahl des Zubehörs ist auch, ob das Kind in der Sitzposition unterstützt oder korrigiert werden muß.

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Die FAQ’s wurden vom IGAP Kinder-Reha-Team unter Zuhilfenahme folgender Literatur bearbeitet:
  • Holtz, Renate: Therapie- und Alltagshilfen für zerebralparetische Kinder, Pflaum Verlag München, 1997
  • Jürgens, H.W. Prof. Dr. : Handbuch der Ergonomie, Band 3, C. Hanser Verlag München, 2.Auflage, 1989
  • Thomashilfen: Ein Reha-Wagen muß passen wie ein Schuh, Eine Informationsbroschüre über Reha- Wagen,
    4. Auflage