Herr W. ist 70 Jahre alt und befindet sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Demenz. Vor gut 10 Jahren wurde bei Herrn W. eine zunehmende Vergesslichkeit und nachlassende Konzentrationsfähigkeit auffällig. Für den intelligenten, immer geistig regen und körperlich aktiven Mann war dies eine unerträgliche Situation. Nach geraumer Zeit stellten er und seine Frau sich der Situation und gingen in eine Memory -Klinik um das Problem ergründen zu lassen. Mit 61 Jahren stand die Diagnose „Alzheimer“ fest. Die Krankheit schritt schnell voran. Seine abnehmende geistige Leistungsfähigkeit war für Herrn W. weiterhin unerträglich. Er war unzufrieden mit sich selbst. Wenn ihm Dinge nicht einfallen wollten, schlug er sich gegen den Kopf. Gegenüber seinem Umfeld wurde er verbal ausfällig und schien sich verraten zu fühlen. „Er schaute mich auf eine hasserfüllte Art an, die ich bei meinem Mann nie gekannt hatte“, berichtet seine Frau. „Er hatte immer alles im Griff, sprach sechs Sprachen und jetzt entglitt ihm alles.“ Um ihm in dieser Verfassung zu helfen, wurde Herr W. durch eine Neurologin medikamentös eingestellt. Durch die Medikamente wurde er tatsächlich ruhiger und gelassener, die Auswirkungen auf seine körperliche Verfassung waren jedoch gravierend. Herr W. war nicht mehr wieder zu erkennen. Er saß den ganzen Tag im Sessel. Er war körperlich nicht mehr dazu in der Lage alleine aufzustehen oder zu gehen. Der Speichel lief ihm aus dem Mund. Frau W. konnte ein Leben für ihren Mann nicht mehr erkennen. Jede Form der Selbstbestimmung, selbst im Rahmen seiner begrenzten Möglichkeiten, war ihm genommen. Die Pflegekräfte der Tagespflege befürchteten bereits, ihn im Falle einer weiteren Verschlechterung bald nicht mehr in die Tagespflege holen zu können. Gegen den Rat der Neurologin setzt Frau W. die Medikamente nach und nach wieder ab. Seine zunehmende Hilfebedürftigkeit nimmt er gelassen hin und die notwendige Hilfe nimmt er an. Herr W. ist ausgeglichen und zufrieden, der freundliche Mensch, der er früher immer war. Die Krankheit ihres Mannes ist weiter fortgeschritten. Sie erlebt ihn aber als einen zufriedenen, ausgeglichenen und freundlichen Menschen, der einer freundlichen Umwelt und jeder Hilfestellung mit einem Lächeln begegnet. Ute Geitmann Bremervörde, den 10.09.2009 *der Name ist aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht genannt, dem Institut aber bekannt
|